Entdecken, anschauen und zuhören

Lange genug war es still, meinen drei Schaffhauser Künstlerinnen und planen einen speziellen Musikrundweg durch Schaffhausen. Auf ungenutzten Flächen und Fassaden wollen sie lebensgrosse Musikfiguren anbringen. Dort soll es auch Konzerte und Sessions geben.

von Edith Fritschi

«Aufhören», es muss aufhören, so still zu sein, und wir müssen endlich wieder mehr zuhören können», lautet das Motto von Ursula Knapp, Andrea Morgenthaler und Katja Scheffer. Die drei haben vor, öde ­Betonfassaden in der Stadt mit gemalten Musikern zu beleben und diese Orte ­anschliessend zu «bespielen». «Diese Idee kam mir schon letztes Jahr, und ich habe damals das Ganze als Kulturprojekt bei Stadt und Kanton Schaffhausen eingereicht», sagt Ursula Knapp. Dafür wurde ihr ein Förderbeitrag in Höhe von 1500 Franken zugesprochen. «Aber dann kam ­Corona, und es wurde erst einmal nichts.»

Damit wollte es die Klavierbauerin und -stimmerin nicht bewenden lassen. Nachdem klar war, dass der gesprochene Beitrag 2021 weiterhin gültig ist, zog sie das Projekt zusammen mit der Musikerin Andrea ­Morgenthaler und der Künstlerin Katja Scheffer neu auf. Ziel: Rund 30 Stationen in der Stadt sollten optisch mit gemalten ­Musikmotiven an den Wänden «aufgefrischt» werden. Zudem sollen am einen oder anderen Ort freitags Konzerte, Performances und andere Anlässe stattfinden – gratis und unter freiem Himmel.

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Ein kreatives Trio

Seitdem ist das Trio mit verteilten Rollen daran, das alles zu realisieren: Katja ­Scheffer stellt ihr Atelier in der Kammgarn West zur Verfügung und malt die Musikerfiguren zusammen mit Ursula Knapp, die sie auch entworfen hat, auf grosse Papierbogen. Andrea Morgenthaler, selbst Musikerin bei diversen Formationen, lässt ihre Kontakte spielen und organisiert später Auftritte von Musikkollegen vor den Figuren. Zudem ist sie für den grafischen Auftritt und das Webdesign verantwortlich. «Wir ergänzen uns bestens», sagt Ursula Knapp. Sie und Pianistin Morgenthaler ­betreiben beruflich zusammen «die Taste», wo jede ihre Fähigkeiten und Qualitäten einbringt, und Katja Scheffer steuert neben dem kreativen malerischen Input auch ­Organisatorisches bei.

Bei unserem Besuch im Atelier in der Kammgarn herrschte eine sehr kreativ-freudige Stimmung, und die Vorfreude auf das Projekt war direkt spürbar. «Klar, wir machen das alle freiwillig und gern, und wollen das coronabedingt serbelnde Kulturleben wieder etwas beleben», sagt Scheffer. 20 unterschiedliche, lebensgrosse ­Musikfiguren sind bereits fertig gemalt. Nun fehlen noch zehn. Und schon schnappen sich Knapp und Scheffer Pinsel und Farbe und rollen das Papier für eine weitere Figur auf. Bald sollen die Plakate dann wie Tapeten auf die ausgewählten Fassaden mit Kleister befestigt und aufgezogen werden.

Mit einer speziellen Schutzfarbe werden die Papierflächen zum Schluss haltbar gemacht. «Es funktioniert», sagt Knapp. «Wir haben bereits einen Probelauf hinter uns.» Im Hof der «Taste» wurde der Klavierspieler an der Wand angebracht und sorgt für einen Farbtupfer. Die entsprechenden Orte, die auf diese Art bespielt werden sollen, haben die drei auf einem Stadtrundgang mit Marcel Angele, Leiter Stadtplanung und Lukas Wallimann vom Denkmalamt abgestimmt. «Das hat echt Spass gemacht», sagt Morgenthaler. «Sie waren sehr behilflich und haben uns noch gute Tipps geben können.

Morgenthaler wird nun einen Plan für diesen einzigartigen musikmotivischen Stadtrundgang machen. Er soll später im Büro von Schaffhausen Tourismus ausgelegt werden. Inzwischen haben die Organisatorinnen auch ein paar Orte ausgemacht, wo sie die Figuren direkt auf die Fassade malen können. Dies vor allem bei privaten Besitzern, die sich über die kreative Mauerauffrischung freuen. «Mit dabei ist etwa die Amag», freut sich Knapp.

 

Möglichst viele Instrumente

Die Motive werden ein buntes Potpourri quer durch die Musikwelt ergeben, mit möglichst vielen Instrumenten vom Cello übers Klavier bis zu Gitarre, Horn, Eufonium oder Handorgel. Auch eine Chor­darstellung ist mit dabei. Und die drei achten darauf, dass die Bilder der Musiker möglichst viele Kulturen und Ethnien ­repräsentieren. Da und dort werden aufmerksame Betrachter und Kenner auch ­bekannte Figuren entdecken. Etwa Udo Lindenberg mit Hut und Brille, Solisten aus Orchestern oder Schaffhauser Musiker. ­Zuviel will das Trio aber nicht verraten – denn Miträtseln ist erwünscht. «Es wird in jedem Fall ein etwas anderer Stadtrundgang werden, wenn man alle Stationen ­gesehen hat», prophezeit Scheffer. Und man könne dabei auch Orte entdecken, die sonst nicht gerade auf dem Radar waren.

Wenn alles fertig ist, findet man die ­Musikmotive im Kasinogässchen, Beckengässchen, am Rheinquai, der Fischer­häuserstrasse, dem Römerstieg, der Repfergasse, beim Toilettenhäuschen im ­Fäsenstaubpark und diversen anderen ­Orten. Bei vielen gibt es genügend Platz für die Freiluftkonzerte, die unter den Figuren stattfinden sollen.

«Uns schwebt vor, dass die Gigs bei den Figuren vorerst Freitag abends stattfinden», sagt Morgenthaler. Sie wird die Musiker organisieren, damit das Ganze anlaufen kann. «Aber mit der Zeit soll es ein Selbstläufer werden.» Auch Instrumentebasteln für Kinder, eine Märchenstunde oder ein Musikquiz soll es ­geben. Vor den geplanten Konzerten muss das Trio aber jeweils die Bewilligung bei der Stadtpolizei einholen.

«Es ist Zeit, die Ohren spitzen und hinzuhören», sagt Scheffer. «Damit das Kulturleben wieder erwacht.» Die Musikmeile 2021 soll möglichst auch während des Bachfests, des Jazzfestivals oder der Museumsnacht zum Klangerlebnis werden. Nun hoffen die ­Organisatorinnen, dass viele interessierte Schaffhauser Musiker, Studenten und ­Mu­sikschüler mitmachen und sich unter www.die-taste.ch oder www.kunstatelier-ks.ch melden.


Musikmeile in der Stadt - Aufhören

Graue Betonfassaden in der Stadt  sollen mit gemalten, lebensgrossen Musikern belebt  und «bespielt werden». Das ist das Projekt, an dem Ursula Knapp, Andrea Morgenthaler und Katja Scheffer derzeit arbeiten. An 30 Orten sollen die Musiker, die im Atelier in der Kammgarn auf Papier gemalt werden, auf Mauern appliziert werden.

Das Projekt steht nach einer Begehung der Organisatorinnen zusammen mit Vertretern der Stadtplanung und der Denkmalpflege kurz vor der Realisierung. Eine formelle Bewilligung durch den Stadtrat steht aber noch aus. 

 

 

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